Reaktionen auf den Tod von Otto Graf Lambsdorff
Trauer um einen "herausragenden Liberalen"
Kanzlerin Merkel: "Wir gedenken seiner in Dankbarkeit".
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den früheren Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff als "menschlich wie politisch gleichermaßen herausragenden Liberalen" gewürdigt. In einer Kondolenzmitteilung zum Tode Lambsdorffs erklärte sie: "Er hat die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland lange Jahre hindurch ordnungspolitisch geprägt und reiht sich ein in die Reihe der großen Persönlichkeiten unserer sozialen Marktwirtschaft."
Auch jenseits der Tagespolitik habe Lambsdorff "in so sensiblen Fragen wie der deutschen Entschädigung der Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges bleibende Maßstäbe gesetzt. Wir gedenken seiner in Dankbarkeit und fühlen mit seiner Frau und seiner ganzen Familie", schloss die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende.
Der "Marktgraf" - ein großer Wirtschaftspolitiker
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) würdigte Lambsdorff als "einen der ganz großen Wirtschaftspolitiker" Deutschlands. "Er war ein Verfechter der sozialen Marktwirtschaft, der um den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Erfolg und sozialer Ausgewogenheit wusste", sagte Rüttgers in Düsseldorf. "Die Bevölkerung hat ihm den Ehrentitel "Marktgraf" zugesprochen, was die Achtung vor seinen Fähigkeiten ausdrückt, schwierige Sachverhalte verständlich zu erklären."
Eine herausragende Person der Nachkriegsgeschichte
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von einem "überzeugten Verfechter der Marktwirtschaft". Mit großem Bedauern nehme er die Nachricht vom Tode Lambsdorffs zur Kenntnis, sagte Seehofer. Er gelte als eine der herausragendsten Persönlichkeiten nicht nur der FDP, sondern auch der deutschen Nachkriegspolitik.
Ein wichtiger Wegweiser in der Vergangenheit
FDP-Chef und Bundesaußenminister Guido Westerwelle reagierte mit Fassungslosigkeit und tiefer Bestürzung auf den Tod Lambsdorffs. Die Partei habe "ihren wichtigsten Wegweiser der vergangenen Jahrzehnte" und ein Vorbild verloren. Westerwelle hob "programmatische Klarheit" und "kantige Unerschütterlichkeit" als Lambsdorffs Eigenschaften hervor. "Sein marktwirtschaftliches Engagement und sein Engagement für die Menschenrechte weltweit haben über ein halbes Jahrhundert hinweg der FDP wesentlich zu ihrem Profil verholfen."
Unerschütterliches Bekenntnis zur Freiheit
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erklärte, Lambsdorffs Engagement für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gehörten zu seinem politischen Wirken genauso wie das Eintreten für die soziale Marktwirtschaft. Sein Bekenntnis zur Freiheit als zentralem Wert politischen Wirkens sei unerschütterlich gewesen. Dass Freiheit unteilbar sei, habe ganze Generationen von Liberalen geprägt.
Lambsdorff hinterlässt "große Lücke"
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte, Lambsdorff hinterlasse eine große Lücke in der deutschen Politik. Lambsdorff habe als früherer Wirtschaftsminister ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Sein Parteifreund habe für Prinzipientreue gestanden und sei ein überzeugter Verfechter der sozialen Marktwirtschaft gewesen. Er werde seinen Rat und seine große Erfahrung vermissen.
Eine Handschrift in der politischen Geschichte
Der frühere FDP-Chef Wolfgang Gerhardt bezeichnete den Tod Lambsdorffs als "großen Verlust eines überragenden Mannes". Er fügte in einer Stellungnahme hinzu: "In der politischen Geschichte der Bundesrepublik ist seine Handschrift zu erkennen." Lambsdorff war Vorgänger Gerhardts als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.
Ein "streitbarer Politiker"
Die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin bezeichneten Lambsdorff als "streitbaren Politiker, der zu seiner Überzeugung stand". Politisch seien sie mit ihm selten einer Meinung gewesen, "als Partner im demokratischen Wettstreit werden wir ihn dennoch vermissen".
http://www.tagesschau.de/inland/reaktionenlambsdorff100.html